Stockholm Halvmarathon

Stockholm. Was für eine fantastische Stadt. Halbmarathon in Stockholm. Was für ein grossartiges Event.

Wieso laufe ich in Schweden? Ach kommt….warum soll ich da denn nicht laufen?

Schon am 16. Februar habe ich mich angemeldet. Sehr früh also. Warum weiss ich gar nicht mehr. Bin irgendwie drüber gestolpert. Anzeige in einer Laufzeitschrift? Pop Up im Internet? Keine Ahnung! Wobei….stimmt gar nicht! Anke, die Studioleitung aus dem fitnessparks.de hat mich Anfang des Jahres angesprochen. „Ich wäre doch so ein ambitionierter Läufer, das wäre doch toll, wenn wir gemeinsam an dem Laufevent teilnehmen.“ Nun, wenn mich jemand so lobt, kann ich natürlich nicht ‚NEIN‘ sagen. Anke möchte mit einer Freundin nach Schweden. Einer Triathletin. Beide wollen die 21.1km laufen. Genau. So war’s nämlich. 😉

Da muss natürlich im Vorfeld ein wenig organisiert werden. Ist ja nicht gleich um die Ecke. Flug. Hotel. Frau. Frau?….oh. Fast vergessen. Meinen female influencer muss ich natürlich noch mit ins Boot holen. Sonst ist zapzerap. Somit wird es ein weekend-sightseeing-sporty-trip. Stockholm soll schön sein. 3 oder 4 Tage werden wir einplanen. Beim Abendessen werde ich sie überzeugen (müssen). Mal sehen, wie schwer das wird.

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Bestätigt…

Am Stockholm Halvmarathon (–>schwedisch) sollen angeblich 15.000 Läufer teilnehmen. 2017 werden 5852 Männer und 3710 Frauen den Lauf finishen, somit in Summe „nur“ 9562 Finisher über die schwedische Zeiterfassungsmatte rennen. Es werden damit fast 1000 weniger sein als 2016, und gut 2800 weniger als 2015. Das mag sicherlich seine Gründe haben, eventuell geschuldet den globalen politischen Spannungen, aber darauf möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen.

Einige Tage vor dem Abflug erfahren wir, dass Anke einen Kreuzbandriss hat. Sie bleibt daheim. Ihre Freundin Sylvia fliegt stattdessen mit ihrem Mann Jens. Wir kennen beide nicht, lassen uns aber auf ein Blind Date ein, um 3:30 Uhr am Abflugtag stehen beide vor unserer Haustür. Abflug in Hamburg um 6:35 Uhr, Ankunft in Stockholm um 8:10 Uhr.

Gelandet. Die Sonne scheint, sie ist so gelb, wie das Kreuz in der schwedischen Flagge. Danke Wickie. Deine starken Männer haben die Wolken weggeschoben. In HH hat es gegossen. Välkommen.

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…abendlicher Blick von da oben, wo unser Hotel ist 😉

Wir haben ein schönes Hotel in einem alten Schwesternheim, unser Doppelzimmer ist in typisch schwedisch-verträumten Stil eingerichtet, nicht zu verwechseln, mit dem puristisch-skandinavischen Design. Sweet 😉 Und mit einem atemberaubenden Blick über die gesamte Bucht.

Sylvia und Jens haben es da schon deutlich rustikaler erwischt. Sie haben eine etagenbettige Innenkabine auf der Birger Jarl, einem Hotelschiff an einem der vielen Anlegestellen (mit guten Augen könnt ihr es auf obigem Foto im linken Bereich hinter dem Schiffsterminal entdecken). Da es sich um ein Schiff handelt, wird das den beiden fast noch zum Verhängnis, aber dazu später…

Vor dem Laufevent am Samstag werden wir die Stadt erkunden. Laufen, Fähre fahren, Vasa.Museum, ABBA.Museum, Fähre fahren, Laufen, Gamla Stan, Södermalm, Norrmalm, Djurgården… schreiben kann ich das alles, aussprechen jedoch fällt mir schwer. Wahnsinns Stadt… Danke Nils Holgersson. Eine wunderbare Reise, wenn auch ohne Wildgänse.

Die Startunterlagen holen wir bereits am Freitag ab. Es ist alles perfekt organisiert. Aber ich bin enttäuscht. Und zwar direkt zweimal. Denn:

  1. erstens, bekomme ich keinen prall gefüllten Starterbeutel, sondern nur eine Plastiktüte und einen Umschlag mit Startnummer, Chip und Luft!
  2. zweitens, kann ich kein Eventshirt kaufen. Gibt’s nicht, ausverkauft, was weiss denn ich?!
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…leere, flache Tüten

Raceday. An einem Samstag. Start um 15:30 Uhr. Hej Sweden, vad händer då? Ein Laufevent an einem Samstag?! Um eine Uhrzeit, zu der mein Biorhythmus schon wieder in den Keller geht?! Allein diese späte Startzeit ist schon eine sportliche Herausforderung und somit eine Medaille wert.

Wenn Du am Samstag morgen aufstehst, und Dich dieser Ausblick erwartet… dann bist Du nicht nur in Stockholm, dann wohnst Du auch in unserem Hotel 🙂

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Ich habe mir für die 21.1km ein Ziel gesetzt: die Stadt geniessen. Entspannt laufen, die Stimmung aufsaugen, lachen, Sightseeing und ….. das Ganze in einer möglichst souveränen Zeit. Klar, muss sein 😉 Auch wenn ich bei Freunden vorher tiefgestapelt habe. Verzeiht 😉

Wir chillen am Samstag morgen. Frühstücken ausgiebig, gehen durch diverse Galerien und Geschäfte. Was man halt so macht. Wir sind völlig relaxed… bis Sylvia schreibt.

Lest das bitte, sonst glaubt Ihr das nicht.

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Ich lache jetzt noch. So fantastisch, unglaublich ist diese Story. Da wohnen die Beiden also auf dem Schiff. Und keiner hat ihnen gesagt, dass dieses Schiff auch mal mit Motorantrieb schwimmen muss. Sonst wäre es kein Hotelschiff, sondern eine feste HotelimmobilieUnd die ist steuerrechtlich teurer als ein Schiff. Ganz schön gemein vom Kapitän… Das Schiff hat quasi schon abgetaut, als Sylvia und Jens das Motorgeräusch wahrnehmen. Siehst ja nix in einer Kabine ohne Fenster. Also mussten sie schon vor dem Laufevent einen Sprint hinlegen. Und Sylvia durfte sich dank der Hilfbereitschaft eines schwedischen Busfahrers in seinem wartenden Reisebus umziehen. Die sind wirklich nett, die Schweden. Danke Björn Borg, dieser Satz ging an Sylvia.

Wir gehen gemeinsam zum Startbereich, saugen die nordische Startatmosphäre in uns auf. Am königlichen Schloß sind die Startblöcke. Ich starte in Gruppe B um 15:35 Uhr, Sylvia in Startgruppe D um 15:45 Uhr.

Vorher stelle ich fest, dass schwedische Dixieklos zwar anders heißen, von innen aber genauso aussehen und riechen wie bei uns. Und Dixiekloschlangen sehen ttatsächlich überall gleich aus. Aber das nur am Rande.

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…Dixiekloschlangen vor dem Schloß

Ich gehe in meinen Block, der sich allmählich füllt. Ausgelassene Stimmung, laute Musik und eine schwedische Moderatorin, die mich optisch an Björk erinnert. Verstehen tue ich nix, was mich aber nicht stört.

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…der Strom in die Startblöcke

Das Kick off der Startgruppe A naht. In den letzten 30 Sekunden vor dem Startschuß wird die Musik runtergedreht und in Gedenken an die Opfer des Terrors geschwiegen. Eine schöne Geste, die vor dem Start jeder Startgruppe wiederholt wird.

Startgruppe A ist raus, noch 5 Minuten warten…..5…4…3…2…1...ich bin auf der Strecke!

Am Anfang erstmal mein Tempo finden, die ersten 1500m ist es eng und voll, wir passieren einige Baustellen, an denen sich die Strecke immer wieder verengt. Stau! Doch dann laufen wir in den Klaratunnel und jeder findet seinen Platz.

Ich bin gut unterwegs, die ersten 10 km laufe ich mit einer Pace von deutlich unter 5 Minuten. Die Strecke ist abwechslungsreich und schön. Du spürst die Nähe zum Meer, lange und immer wieder geht es am Wasser lang.  Ich sehe Boote, Brücken, Möwen und imposante Gebäude. „Heja! Heja!“ rufen uns die Zuschauer zu. Hier zeigt sich schnell, dass die Schweden gar nicht so zurückhaltend sind wie vermutet. Sie trommeln, jauchzen, tanzen. Die Endorphine leisten ganze Arbeit, mehrmals habe ich Gänsehaut oder könnte vor Freude heulen. Ihr kennt das, oder?!

Sieben Mal laufen wir an lauter Livemusik vorbei: Samba, Rock, Jazz, Pop und Blasmusik. Mamma Mia. Danke Agnetha, Annafried, Björn und Benny, die Organisation des gesamten Events ist gelungen, ABBA mit Musik läuft es sich noch besser.

Denn das Streckenprofil hat es durchaus in sich. Überall liest Du, dass Dich lediglich 27 Höhenmeter erwarten… das ist nur die halbe Wahrheit, genaugenommen sogar nur die viertel Wahrheit. Oder zu 45% gelogen. Je nach Betrachtungswinkel. 😉 Diese Meterangabe bezieht sich lediglich auf den Höhenunterschied zwischen höchsten und niedrigsten Punkt der Gesamtstrecke. Das du aber zwischendrin viel hoch und runter laufen musst, steht in keinem Forum. Bis zum Zieleinlauf werden es gut 150 Höhenmeter sein. Lange, flache Anstiege sind fies. Heja!

Die letzten 5 Kilometer werde ich deutlich träger, die Beine demonstrieren mir ihr gesamtes Gewicht. Immer mache ich den gleichen, dämlichen Fehler. Ich starte zu früh mit Tempo und verliere nach hinten raus immer, (wirklich immer!) an Kraft. Dabei weiß ich doch vorher schon, dass ich mir meine Kondition einteilen muß. War heute mal wieder nix mit der Umsetzung von Theorie in Praxis 😦

Und dann rieche ich die Zielluft, höre die Lautsprecher im Zielkanal hämmern, die Bässe weisen mir akustisch den Weg. Die letzten Meter…ich kann noch mal Kräfte freisetzen. Hinter der Absperrung höre ich Claudia meinen Namen rufen, das gibt mir einen weiteren Kraftschub. Ich laufe über den blauen Teppich in Richtung Zielbogen….quatsch, ich fliege!!!

Geschafft! Bin im Ziel und habe direkt eine Medaille um den Hals. Ein schönes Ding! Danke Stockholm. Du bist eine grandiose Stadt mit tollen Menschen. Du hast an diesem Wochenende alles richtig gemacht. 

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…Medaillen schmecken immer gleich

Offizielles Ergebnis:

  • Zeit: 1:45:54
  • Platz 1909 von 5852 Männern, die gefinished haben
  • AK Platz 68

Sylvia kommt mit einer Zeit von 2:16.58 ins Ziel.

Hier das offizielle Video des Stockholm Halvmarathon 2017


 

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