3 mallorquinische Buchten 1.0 !

– Mallorquinische Gullideckel sind glatt –

Die schönste Insel der Welt droht unter zu gehen. Mal eben so. Es ist Anfang Juli und es regnet. Stellt Euch das mal vor.

Wobei das natürlich Unsinn ist, was ich hier schreibe,….

…es schüttet wie aus Eimern!

Nicht so ein bisschen Nieselregen, sondern volle Kanne alles auf einmal. Die gute Nachricht: wir sitzen im Restaurant und der Regen ist warm. Die schlechte Nachricht: eben sind die beiden großen Aussenmarkisen des Restaurants runtergekracht. Denn zu den Massen an Wasser kam auch noch Hagel. Olivenkern groß, mallorquinische Olivenkerngrösse versteht sich. Das hält keine spanische Qualitätsmarkise aus, schliesslich soll sie primär vor Sonne schützen und nicht vor dem Weltuntergang. Doch damit nicht genug….

…jetzt ist auch noch der Strom weg. Der dicke Wirt ist kurz vor dem Kollaps, was vollkommen nachvollziehbar ist. Selbst als durchtrainierter Läufer würde er kollabieren, immerhin sind ihm eben zwei wunderschöne, bordeauxfarbene Markisen vom mallorquinischen Sommer zerstört worden.

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oscuridad a Santanyi

Die Mitarbeiterinnen und mindestens 3 Töchter des Wirts arbeiten weiter, retten schwimmende Sitzpolster, verarzten den Koch, der sich beim Markisenrettungsversuch verletzt hat und helfen den Leuten vom Marktstand dabei, ihr Obst zu retten. Und noch eines machen die Damen bravourös… sie kümmern sich weiterhin freundlich und souverän um ihre Gäste. Also auch um uns: „Para mi una Cafe Americano et una Aqua con Gas.“ Miserables Spanisch was ich da von mir gebe….aber die Damen verstehen es.

Zwei Stunden später, nach vielen leckeren Tapas, Cervezas und „keine Ahnung was wir noch so alles hatten“, trauen wir uns aus dem Restaurant. Der Regen hat etwas nachgelassen, ich platziere meine beiden Frauen unter einem Torbogen und renne los, um das Auto zu holen. Auf der Strasse in der wir geparkt haben, sind zwei PKW abgesoffen. Der Abschleppdienst ist bereits vor Ort. Ich befürchte Schlimmes. Das imaginäre Bild vor meinen Augen: ich erreiche schwimmend unseren von Hagelkörnern zerbeulten Mietwagen, von dem nur noch das Dach aus dem Wasser schaut.

Aber Glück gehabt. Nur als ich die Tür öffne läuft von oben eine Menge Wasser in das Wageninnere und durchweicht mir direkt unsere Strassenkarte in der Türablage, aber egal…. ich starte den Motor und fahre zum Torbogen, um meine beiden Mädels einzuladen. Soweit geschafft, der Weg nach Palma ist noch von viel Wasser begleitet…. je mehr wir uns dem Hotel jedoch nähern, umso klarer wird der Himmel.

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de camino a Palma

Soweit zum Wetterexkurs….sorry. In meinem Blog soll es doch primär ums Laufen gehen.

Laufen auf Mallorca. Darauf freue ich mich jedesmal schon lange im Voraus. Mental spulen sich die Läufe vor meinen inneren Augen ab. Ich habe für dieses Jahr auch den ein oder anderen Trailrun geplant, mal ein bisschen ins Gelände, denn hier im Süd-Westen der Insel, im Gebiet Peguera – Cala Fornells – Camp del Mar – Port Andratx gibt es auch einige Höhenmeter auf den Hügeln und in den Wäldern.

Mein erster Lauf führt mich traditionell durch die drei Buchten Pagueras. Ich nenne ihn „3 Buchten 1.0“. Und dafür muss ich bergab laufen, denn unser Hotel liegt auf einem Anhöhe. 180m üNN. Und zu den Buchten muss ich daher ins Tal. Auf Höhe des Meeresspiegels. Auf 00m üNN.

Trotzdem laufe ich vom Hotel aus zunächst bergauf, sozusagen einmal um den „Gesamtberg“, um dann auf der anderen Seite des Berges ins Tal der 3 Buchten zu laufen…. 😉

In meinem Kopf bin ich die Läufe in Deutschland schon bereits einige Male gelaufen. Virtuell. Kennt Ihr das? Könnt Ihr das auch? Mentale Einstimmung und somit die Erhöhung der Ungeduld und Vorfreude?! Auch das macht Laufen aus. Wenn ihr die Möglichkeit habt, Euch bereits mental auf Eure Läufe vorzubereiten, dann solltet Ihr dieses Tool auf jeden Fall nutzen. Augen zu, durchatmen & entspannen und dann mal versuchen, die Bilder abzurufen. Mentales Training….das ist kein HokusPokus…. Laufen ist mehr als reine körperliche Leistung und Training, dazu gehört auch ‚mentale Fitness‘ und ein ausgewogenes ‚Drumerhum.Allgemein.Leben.‘ Das Thema ‚Mentales Training‘ ist unwahrscheinlich spannend, würde aber in diesem Blogbeitrag den Rahmen sprengen. Außerdem schweife ich schon wieder ab….

Ich laufe da also so in die morgendliche Sonne hinein und bemerke, dass der Regen vom Vortag doch noch so einige größere Wasserrückstände zurückgelassen hat. Auch in der Nacht hat sich der mediterrane Wolkenhimmel nochmals ordentlich entleert. Mhmm, auch da, wo das Wasser nicht mehr steht, fühlt sich das Laufen anders an. Irgendwie glatt, nee….. eher glitschig.

Trotzdem genieße ich den Lauf. Warum auch nicht. Die Luft ist warm und riecht nach Mittelmeer. Erste Rechtskurve vom Boulevard an die Strandpromenade. Aufpassen, verdammt schlüpfrig.

An der Promenade sind um diese Uhrzeit noch nicht viele Menschen unterwegs. Die Stadtreinigung säubert die Gehwege. Restaurantmitarbeiter wischen und fegen den Dreck des Vortages weg. Vereinzelt kommen mir Läufer entgegen, oder auch ältere Spanier, die ihre Hunde ausführen. Eventuell machen Sie auch einen morgendlichen Walk. In Schlappen.

Ich renne bis zum Promenadenende der ersten Bucht, der Playa Palmira. Genieße einen kurzen Blick auf’s offene Meer, mache einen Turn Around, um dann unmittelbar über einen kleinen, steilen Anstieg in die zweite Bucht, der Playa de Tora, einzulaufen.

Starke Rechtskurve, nasser Gullideckel….der erwischt mich voll beim Abbiegen….. ich schliddere und zwar so dermaßen, dass ich fast horizontal in die aufgeblasenen Luftmatratzen des kleinen spanischen Händlers reingrätsche. Die fangen die gesamte Wucht ab, so dass ich mich weder verletzte, noch den gesamten Laden schrotte.

Bon Dia, Senior“, rufe ich ihm zu und sehe zu, daß ich schnellstens in die dritte Bucht komme. Diese ist der Playa la Romana, die kleinste der drei Buchten. Dort wo sie endet ist sie zugleich eine „Geh-hier-nicht-ins-Wasser-Bucht“. Macht aber nichts, bin ja nicht zum Schwimmen da.

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ZONA RESBALADIZA

Stattdessen Kehrtwende und den gleichen, wunderschönen Weg zurück. Am Ende der ersten Bucht biege ich aber nicht in den Boulevard ab, sondern entschließe mich über ‚Cala Fornells‘ zurück zum Hotel zu laufen. Dazu muss ich jedoch erstmal am Hotel „Mar y Pins“ die lange, steile Steintreppe hochlaufen. Die hat es in sich ist… manch einer kommt gar nicht oben an, sondern geht nach wenigen Stufen freiwillig wieder runter und ruft sich erschöpft ein Taxi.

treppe-playa-palmira-paguera

Oben angekommen japse ich nach Luft und muss mal für 90 Sekunden meine Kräfte sammeln.

Dann geht es links entlang der Steilküste durch die Urbanization mit schönen mediterranen Häusern bis in die Bucht von ‚Cala Fornells‘.

Wenn Ihr früh in der Bucht seid, dann erlebt ihr diesen Sonnenaufgang …

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Der Rückweg zum Hotel ist nochmal geprägt von zwei wirklich knackigen Anstiegen. Auf den letzten 1600m bedeutet das charmante 80 Höhenmeter. Die jagen mir die letzten noch vorhandenen Körperflüssigkeiten durch meine Poren. Als ich das Hotel erreiche, kann ich mich entscheiden:

a. direkt an der langen Hotelltreppe kollabieren

b. Stretching und Stabi-Training im Fitness Bereich

Da ich Urlaub habe verschiebe ich den Kollaps auf ’nach dem Frühstück‘ und entscheide mich für b.

So bin ich bestens vorbereitet für einen stressigen Urlaubstag und habe mir die Liege am Strand wahrlich verdient. Und das gute Essen. Und den Vino Tinto. Und…..

Laufdaten: 8.7km – 5:16 Pace – 164 Höhenmeter

Freue mich auf die nächsten Läufe…✌

NOTWENDIGER mallorquinischer EPILOG: 

Zu den nächsten Läufen wir es nicht mehr kommen. Beim morgendlichen Run des 4.ten Tages habe ich mir eine Zerrung in der rechten Wadenmuskulatur zugezogen. Ihr könnt Euch vorstellen, wie mich das runtergezogen hat. Crash.boom.bang….ab in den Keller mit Dir. Shit happens….trotzdem stecke ich natürlich nicht den Kopf in den mallorquinischen Sand. Improvisation 🤘

Gut, dass ich Freunde habe. Meinem Freund Chris habe ich über Whatsapp von diesem Mist berichtet. Daraufhin machte er für mich kurzerhand ein über 6minutiges Video-Tutorial zum Thema „Tape Dir den Schmerz in Deiner Wade weg“ fertig, ich klebte mir das Tape professionell auf die Haut…und es half mir tatsächlich unterstützend beim Gehen.

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Tape a la Plancha

Zudem machte ich damit selbst am Strand eine gute Figur. Zumindestens finde ich das in meinem positiven Denken.

Danke Chris 😎

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